Umweltagenda Basel
«Vorbilder von heute für morgen»
9. – 11. Juni 2017
Für eine nachhaltige Möbelwahl aus zweiter Hand
Kate Bottriell, «ecochair.ch»

Mit ecochair.ch versucht Kate Bottriell, ihrer Kundschaft nicht nur hochwertige Secondhandmöbel schmackhaft zu machen, sondern auch einen nachhaltigen Lebensstil zu vermitteln. Der Showroom im Matthäusquartier dient zudem als Plattform, um sich mit Gleichgesinnten und lokalen Unternehmen zu vernetzen.

Es war die Liebe, die Kate Bottriell in die Schweiz führte: 2012 lernte die Kanadierin auf einer Reise in Ecuador ihren heutigen Mann kennen und zog in der Folge nach Basel. Sie musste alsbald erkennen, wie schwierig es in ihrer neuen Heimat ist, schöne und hochwertige Secondhandmöbel zu finden. Die früher in der nachhaltigen Entwicklung tätige Bottriell, die einen Master in Umweltstrategien und Erfahrungen im Beschaffungswesen hat, spielte deshalb rasch einmal mit dem Gedanken, selbst erlesene Möbelstücke aus zweiter Hand anzubieten und damit auch ihrem Steckenpferd zu frönen – dem umweltbewussten Umgang mit Ressourcen.

Mir ist es wichtig, mit meiner Arbeit zur Lösung von Nachhaltigkeitsfragen beizutragen.
Kate Bottriell

Endgültig Gestalt nahm Bottriells Geschäftsidee dann im Rahmen eines zweijährigen Programms der Startup Academy Basel an – einem gemeinnützigen Verein, der schweizweit neue Unternehmen mit Wirtschaft und Hochschulen vernetzt. Im Januar 2017 startete das Unternehmen mit dem Webshop www.ecochair.ch. Wenige Monate später gesellte sich ein Showroom an der Breisacherstrasse 66 dazu. Dass dieser überhaupt entstehen konnte, habe sie auch der Mithilfe von Freiwilligen, Mentoren, Praktikanten, lokalen Unternehmen und Partnern zu verdanken, betont Bottriell.

«Mit ist es wichtig, bei meiner Arbeit zur Lösung von Nachhaltigkeitsfragen beizutragen», so die 39-Jährige. Folgerichtig ist auch ecochair.ch von ihrer Grundhaltung geprägt. «Denn der anhaltende Möbelkonsum erweist sich zusehends als problematisch», konstatiert Bottriell, die aktuell im aargauischen Schupfart lebt, aber mehrmals wöchentlich in den Räumlichkeiten im Kleinbasel anzutreffen ist. Umweltbewusst lebe, wer keine oder nur selten neue Möbel kaufe. «Diese Sichtweise wollen wir unseren Kundinnen und Kunden vermitteln.» Die Initiative richtet sich nicht nur an Menschen mit Sinn für Nachhaltigkeit, sondern auch an solche, die neu in der Region sind, sowie an lokale Unternehmen. Diese können die Plattform unter anderem dazu nutzen, Secondhandmöbel aus ihrem eigenen Fundus – gegen eine kleine Kommission – zu verkaufen. Zudem bietet das seit Januar 2019 als Verein organisierte Unternehmen auch Events und Workshops zu Themen wie der richtigen Vorgehensweise beim Kauf von Secondhandmöbel an.

Wir wollen nicht nur Möbel weiterverkaufen, wir vermitteln auch geeignete Restauratorinnen und Restauratoren.
Kate Bottriell

Das nach wie vor grösste Anliegen von ecochair.ch ist es allerdings, einen Beitrag zur Nachhaltigkeit zu leisten: «Unsere Arbeit will sowohl Wiederverwendung als auch Reparaturen fördern.» Für Bottriell und ihr Kernteam – bestehend aus Fabienne-Reynau Hamming, Krisztina Bordacs und Carrie Aikman – heisst dies, nicht nur eigenhändig Möbel aufzufrischen und zu verkaufen, sondern gegebenenfalls die Kundschaft an geeignete Restauratorinnen und Restauratoren weiterzuvermitteln. Zum Kundenkreis von ecochair.ch zählen insbesondere Interessierte aus den Bereichen Architektur und Design sowie Expats aus der Pharmabranche. Dementsprechend gab es die Webseite des Vereins bis vor Kurzem nur in englischer Sprache. «Nun verfügen wir über eine deutsche Version, und die französische folgt schon bald», verspricht Bottriell.

Unser Verein macht es Interessierten leichter, sich für eine nachhaltige Möbelwahl zu entscheiden.
Kate Bottriell

Und wie kommt der Verein zu neuen Verkaufsobjekten aus zweiter Hand? «Einige von uns suchen aktiv im Internet oder auf Flohmärkten, andere nehmen an Wohnungsräumungen teil oder setzen das Thema Upcycling um», sagt Bottriell, die sich dank ecochair.ch als Puzzleteil des hiesigen Stadtlebens empfindet. «Das weiss ich sehr zu schätzen.» Zu den Aufgaben der Gründerin gehört etwa das Betreuen und Aktualisieren der Webseite, das Fotografieren der Möbel, aber auch die Kommunikation mit den Kundinnen und Kunden, die Auslieferung der Möbel und der Aufbau neuer Partnerschaften. Zwar kann sich bis anhin weder Bottriell noch jemand anders aus dem Team mit ecochair.ch den Lebensunterhalt finanzieren. Aber eines der gesetzten Ziele hat man bereits erreicht: «Dank unserem Verein fällt es Interessierten zunehmend leichter, sich für eine nachhaltige Möbelwahl zu entscheiden.»

Abfall, Recycling, Ressourcen

Autorin:
Interview: Michael Gasser
Fotos: Idit Kobrin und z.V.g.
Kurzprofil:
ecochair Basel
Breisacherstrasse 66
4057 Basel

www.ecochair.ch

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