Umweltagenda Basel
«Vorbilder von heute für morgen»
9. – 11. Juni 2017
Die Kraft der Lokalen Ökonomie
Stephan Dilschneider, «ecoloc»

Alles ist möglich, was wir Menschen uns vorstellen können, davon ist Stephan Dilschneider überzeugt. Er gründete die Organisation ecoloc, die Gemeinden berät und unterstützt, eine Vision von einer Lokalen Ökonomie zu entwickeln und auch konkret umzusetzen.

Lokale Initiativen und einzelne Personen, die etwas für eine ökologischere und gerechtere Welt auf die Beine stellen, gibt es auch in Basel viele. Diese Reihe „Vorbilder für eine Welt von morgen“ zeigt mit einer bunten Mischung an Beispielen auf, was einzelne Menschen oder Gruppen von Aktiven leisten und auch bewegen können. Der Haken dabei: Auch wenn sie voneinander wissen und sich austauschen, sind sie auf operativer Ebene lokal und regional meist zu wenig miteinander vernetzt.  

„Was fehlt, sind tatsächliche Synergien zwischen den Projekten. Oft rentiert ein Projekt zudem wirtschaftlich nicht und kämpft gegen die herrschende Marktwirtschaft an, ohne dass es gelingt, auf lokaler Ebene die ökonomischen Bedingungen zu verändern“, sagt Stephan Dilschneider, Geschäftsführer und Partner von Ecoloc. Dort liege ein riesiges Potenzial brach. „Wir brauchen Perspektiven, wie wir auf lokaler Ebene mit Akteuren den lokalen wirtschaftlichen Kontext, in dem sich diese sinnvollen Aktivitäten entfalten, verändern können.“

Um lokale Kreisläufe wiederzubeleben, braucht es viele Akteure.
Stephan Dilschneider

Stephan Dilschneider gründete im Jahr 2013 die gemeinnützige Organisation Ecoloc in Basel. Ziel ist es, die lokale Ökonomie in Gemeinden zu stärken und bei der Erforschung, der Entwicklung sowie bei der Bildung und der Gestaltung lokaler Prozesse zu beraten und zu unterstützen. Der Wandel zu einer nachhaltigen, sozial gerechten Gesellschaft setzt voraus, dass sich die Ökonomie entsprechend verändert. Ecoloc unterstützt Gemeinden bei der Bewusstseinsbildung, führt Workshops  durch, entwickelt Ausstellungen und entwickelt neue Tools wie eine Software oder Spiele, mit denen verständlich wird, wie gross die Kraft des Lokalen wirklich ist. Dabei sind sie im Raum Basel sowie auch in Deutschland tätig.

Motivation holt Stephan aus der Erkenntnis, dass fast alles möglich ist, was Menschen sich vorstellen können. „Und ich kann mir sehr gut vorstellen, wie spannend, erfreulich, bereichernd und sinnvoll eine Ökonomie aussieht, die diesen Namen auch verdient.“ Er wolle zudem einen Beitrag dazu leisten, dass unsere Fähigkeiten und Ressourcen entsprechend unseren Werten auch wirklich zum Tragen kommen.

Geld soll lokal zirkulieren

Lokale Ökonomie bedeutet unter anderem: Man kauft dort ein, wo man lebt, nutzt die Infrastruktur vor Ort, lässt damit Geld eher dort, wo man lebt und weniger bei Amazon und Co. Stephan präzisiert die Idee dahinter: „Um lokale Kreisläufe wiederzubeleben, braucht es viele Akteure wie einen engagierten Gemeinderat, freiwillig Engagierte, lokale Projekte und das lokale Gewerbe, die alle zusammenarbeiten. Ganz wichtig dabei ist zudem die Entwicklung integrierter lokaler Finanzsysteme.“

Ökonomisch sinnvolles Handeln sei ein Handeln, das keine externen Kosten verursacht und neben monetären Leistungen vor allem auch soziale Leistungen wie Hausarbeit, Pflege oder freiwillige Arbeit umfasst. „Das grosse Problem unserer Marktwirtschaft ist, dass durch unser Konsumverhalten ständig Geld aus den Kommunen abfliesst. Geld, das sonst in einer Gemeinde zirkulieren und sich lokal multiplizieren könnte.“ Was für manche danach klingen mag, als würde man das Rad der Zeit zurückdrehen, könnte genau das richtige Rezept sein, um eine gerechtere und ökologischere Zukunft zu schaffen.

Die Vision von Ecoloc sind Gebietskörperschaften – Dörfer, Städte oder Kantone – denen es gelingt, die Struktur der lokalen und regionalen Sozioökonomie viel grundlegender (mit) zu gestalten, als dies heute für möglich gehalten wird. „Die effektive Transformation hin zu einer sozial gerechten und nachhaltigen Welt nimmt ihren Anfang  - und hat ihre Basis im Gestaltungsspielraum des Lokalen“, ist Stephan Dilschneider überzeugt. Vorbilder sind für ihn aktuelle globale Relokalisierungsbewegungen mit vielen Geschichten des Gelingens – und hier sind es herausragende Personen wie der Aktivist und Vordenker Mahatma Gandhi, die Ökonomen Karl Polanyi und Elinor Ostrom, der Künstler Joseph Beuys oder der Designer Victor Papanek und viele andere.

Autorin
Interview: Lioba Schneemann
Fotos: Lioba Schneemann

Kurzprofil
Ecoloc
c/o Stephan Dilschneider
Steinenring 40
4051 Basel

www.ecoloc.org

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