Umweltagenda Basel
«Vorbilder von heute für morgen»
9. – 11. Juni 2017
Frauen in Green Jobs
Heidi Mück, «FachFrauen Umwelt»

Der Verein FachFrauen Umwelt feiert heuer sein 30-jähriges Jubiläum. Mit grossem Engagement vernetzt Geschäftsleiterin Heidi Mück Biologinnen, Umweltingenieurinnen oder Försterinnen und hilft ihnen, sich in den oft von Männern dominierten Berufen durchzusetzen.

«Das kannst du doch eh nicht!» oder «Bist du die Tochter des Chefs?» Solche und ähnliche Sprüche müssen sich Frauen in von Männern dominierten Berufsfeldern bis heute anhören. Wagt eine Frau den Einstieg in eine solche Domäne, sieht sie sich nach wie vor Vorurteilen und Machosprüchen ausgesetzt. Das trifft auch auf Umweltberufe zu, die oftmals einer Männerwelt gleichen. «Wir haben es uns deshalb zur Aufgabe gesetzt, Frauen, die im Umweltbereich tätig sind, zu vernetzen und ihnen eine Plattform zum Erfahrungsaustausch zu bieten», erklärt Geschäftsleiterin Heidi Mück. Der Verein FachFrauen Umwelt – Professionelles en Environnement (ffu-pee) wurde im Jahr 1989 von Frauen aus der ganzen Schweiz gegründet, die im Umweltsektor tätig sind. «Eine gute Vernetzung ist gerade für Frauen, die vorwiegend in Männerdomänen tätig sind, enorm wichtig», weiss Mück. Die gegenseitige Stärkung, der Austausch über alltägliche Situationen, aber auch der Umgang mit solchen Vorurteilen verleihe viel Kraft und wirke enorm motivierend.

Ich hatte schon als Kind ein ausgesprochenes Gespür für Gerechtigkeit, das mich auch heute noch antreibt.
Heidi Mück

Doch ungenügendes Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten und plumpe Sprüche sind weitaus nicht die einzigen Probleme, denen Biologinnen, Forstingenieurinnen und Landschaftsgärtnerinnen gegenüberstehen. Auch punkto Lohngleichheit und Aufstiegschancen sieht es in Umweltberufen für Frauen alles andere als rosig aus. «Zudem haben viele gut ausgebildete Frauen nach der Familienphase Schwierigkeiten, wieder in den Beruf einzusteigen», führt Mück aus. Das wirkt sich einerseits auf die Karriere der Berufsfrauen negativ aus. «Anderseits verliert die Branche dadurch auch unheimlich viel Potenzial, Fachwissen und Ressourcen», ist Mück überzeugt. Deshalb bietet ffu-pee neben Weiterbildungsangeboten, regionalen Treffen und Tagungen auch ein Job-Sharing-Projekt an, bei dem Teilzeiterinnen zueinander finden können. Zudem engagiert sich der Verein politisch: Er äussert sich zu Fragen der Umwelt- und Gleichstellungspolitik, beteiligt sich an Vernehmlassungen und arbeitet mit anderen Organisationen in den Bereichen Umwelt und Gleichstellung zusammen.

Als Mutter ist es für mich selbstverständlich, auch meine drei Söhne für Frauenfragen zu sensibilisieren.
Heidi Mück

Für Heidi Mück, die schon seit ihrer Jugend politisch tätig ist, war diese politische Dimension ein zusätzlicher Grund, sich im Jahr 2015 für die Stelle als Geschäftsleiterin des Vereins zu bewerben. «Ursprünglich komme ich zwar eher aus dem Bildungsbereich. Während 18 Jahren engagierte ich mich für den VPOD», erzählt Mück. Gleichstellung, Vernetzung und Chancengleichheit stehen auch auf ihrer politischen Agenda ganz oben – für diese Themen setzte sie sich von 2004 bis 2016 im Grossen Rat ein. Als Co-Präsidentin von «Basta!» und vielleicht auch bald als Nationalrätin macht sie sich weiterhin für diese Fragen stark. «Ich hatte schon als Kind ein ausgesprochenes Gespür für Gerechtigkeit, das mich auch heute noch antreibt», so Mück, die im Gundeli aufgewachsen ist und mittlerweile in Kleinhüningen lebt.

Als Geschäftsleiterin des ffu-pee ist ihr jedoch nicht einzig die Gleichstellung von Frauen in Umweltberufen ein wichtiges Anliegen. «In Zukunft will unser Verein Gender- und Umweltfragen stärker verknüpfen», erklärt Mück. Noch immer haben Frauen und Männer nirgendwo auf der Welt dieselben Möglichkeiten zur Mitwirkung an politischen Prozessen und denselben Einfluss auf politische Entscheidungen – das gilt ganz besonders für die Klimapolitik mit ihren technisch dominierten Handlungsfeldern Energie und Verkehr. «International läuft die Verknüpfung zwischen sozialem Geschlecht und Klimawandel schon seit Längerem», weiss Mück. «Die Schweiz ist diesbezüglich ziemlich rückständig. Und das, obwohl in Ämtern wie etwa dem Bundesamt für Umwelt zahlreiche Spitzenpositionen von Frauen besetzt sind.»

Um diesen hochaktuellen Fragen nachzugehen, soll in den nächsten Jahren deshalb ein neues Kompetenzzentrum entstehen. «Wir wollen dabei Wissen zur Verfügung stellen, das etwa in politische Entscheide oder Planungsfragen einfliessen kann», sagt Mück. Nicht nur beruflich und mit ihrem ehrenamtlichen Engagement als Co-Präsidentin des Stiftungsrats des Frauenhauses beider Basel befasst sich die 55-Jährige mit Frauenthemen. Auch privat muss sie so manchen Kampf ausfechten: «Als Mutter von drei Söhnen ist es für mich selbstverständlich, sie für Frauenfragen zu sensibilisieren. Das führt nicht selten zu hitzigen Diskussionen», meint Mück schmunzelnd. Das ist wohl einer der Gründe, weshalb Heidi Mück auch künftig für berufliche und politische Debatten bestens gewappnet ist.

In Zukunft will der Verein Gender- und Umweltfragen stärker verknüpfen.
Heidi Mück
Gesellschaft

Autorin
Interview: Helen Weiss
Fotos: Helen Weiss und Frantisek Matous

Kurzprofil
FachFrauen Umwelt ffu-pee
Güterstrasse 83
4053 Basel
www.ffu-pee.ch

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