Umweltagenda Basel
«Vorbilder von heute für morgen»
9. – 11. Juni 2017
Drei Engel für Paula
Olivier Bieli, Daniel Ranz und Markus Schmid, «Foodangels»

2,8 Millionen Tonnen Lebensmittel pro Jahr landen schweizweit in der Kehrichtverbrennung. Drei Basler Foodangels retten Früchte, Gemüse und Fleisch vor der Vernichtung und beglücken damit Tiere in Notunterkünften.

Zwischen fünf Belgischen Riesenhasen und einer Handvoll Laufenten machen sich drei Hausgänse in lautem Geschnatter über den bunten Schnittsalat her. Schweinedame Paula, die 300 Kilo schwere Hoflady, verschlingt schmatzend ein halbes Dutzend Kaki. Die Pferde Lou, Cliff und Amy freuen sich über den süssen Apfelsnack: Im Tierli-Gnadenhof in Kaisten/AG leben kranke, traumatisierte und verwahrloste Tiere, die schutzbedürftig sind und hier bis zu ihrem Lebensabend ein schönes Zuhause bekommen.

Die Lebensmittel der Foodangels finden bei uns dankbare Abnehmer.
Janina Sutter, Betreiberin des Tierli-Gnadenhofs in Kaisten/AG

Heute ist es wieder soweit: Wie jede zweite Woche fährt der weisse Lieferwagen mit dem Logo der Foodangels vor und lädt kistenweise Gemüse, Früchte und andere Lebensmittel ab. Seit Oktober 2020 sammelt der Basler Verein überschüssige Lebensmittel aus Detailhandel, Grosshandel und Tierfutterproduktion ein und verteilt sie an Gnadenhöfe und Auffangstationen für Tiere.

«Fast jedes der gespendeten Lebensmittel findet bei uns einen dankbaren Abnehmer», sagt Janina Sutter, Betreiberin des Hofs. Ob Ananas, Banane, Kiwi, Salat, Tomate und sogar Zitrone: Alle Gaben der Foodangels landen im Futternapf ihrer Tiere. Aber Gurken, Rüebli und Co. sind nicht nur wertvolles Tierfutter für die Hofbewohner. Jedes Produkt, das von den Foodangels gerettet wird, ist gleichzeitig ein Lebensmittel weniger, das in der Kehrichtverbrennung landet.

Pro Woche können wir zirka zwei Tonnen Früchte, Fleisch und Halbfabrikate einsammeln und weitergeben.
Daniel Ranz, Initiator Foodangels

Seinen Sitz hat der Verein Foodangels in einem unscheinbaren Hinterhof an der Basler Utengasse. «Begonnen hat alles eher zufällig», erinnert sich Daniel Ranz, Initiator der Aktion. In einer Lagerverkaufsstelle des Manor-Warenhauses sei er diesen Frühling besonders günstig zu zwei Paletten Tierfutter gekommen. Als engagierter Tierfreund spendete er das Schnäppchen an verschiedene Gnadenhöfe. Das Interesse an Nachschub war gross. Doch auf Anfrage beim Ladenpersonal hiess es bloss, die überschüssige Ware dürfe nicht mehr verkauft werden und sei deshalb entsorgt worden. «Damit wurde mir einmal mehr bewusst, wie verschwenderisch wir mit unseren Lebensmitteln umgehen», so der 46-Jährige. Der Inhaber einer Kommunikationsagentur nahm sich zum Ziel, gegen den Foodwaste anzukämpfen. Gemeinsam mit Olivier Bieli, Besitzer eines Gnadenhofs im elsässischen Münchhausen, und dem Anwalt Markus Schmid gründete er den Verein Foodangels.

«Das Vorhaben bedeutet viel Einsatz und lange Arbeitstage», so Bieli, der neben seiner Verpflichtung als Foodangel und Gnadenhofbetreiber als Polizist arbeitet. Noch sind die Warenmengen überschaubar: «Zirka zwei Tonnen Früchte, Fleisch und Halbfabrikate können wir mit dem gespendeten Lieferwagen pro Woche einsammeln. Aber Angebot und Nachfrage nehmen zu: «Wächst das Projekt weiter wie in den ersten zwei Monaten, müssen wir baldmöglichst nicht nur unsere Lager- und Lieferkapazität aufstocken, sondern auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einstellen», sagt Daniel Ranz. Bis anhin kommt der Verein mit einem ehrenamtlichen Helferteam aus.

Was nicht von Menschen oder Tieren verzehrt wird, verarbeiten wir zu Kompost.
Daniel Ranz, Initiator Foodangels

Auch die Logistik hinter dem Konzept ist eine Herausforderung: Warenhäuser und Grossverteiler haben meist nur kurze Zeitfenster, innerhalb derer sie die Ware für die Abholung bereithalten. Zurück zum Hinterhof transportiert, müssen die Lebensmittel in einem ersten Schritt sortiert werden. Einwandfreie Waren gehen an gemeinnützige Institutionen und werden armutsbetroffenen Personen gespendet. Alles, was für den Menschen nicht mehr geniessbar ist, wird von den Foodangels an die verschiedenen Gnadenhöfe der Region verteilt. Und was bis zum Schluss nicht weiterverwendet werden kann, wird kompostiert. Ranz: «So können wir bis zur letzten Bananenschale alle geretteten Lebensmittel sinnvoll verwerten.»

Abfall, Recycling, Ressourcen

Autoren
Text: Sara Meier
Fotos: Oswald Bieli

Kurzprofil
Verein Foodangels
Utengasse 25 (Hinterhof)
3058 Basel
061 683 40 23
mahlzeit(at)foodangels.ch
www.foodangels.ch

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