Umweltagenda Basel
«Vorbilder von heute für morgen»
9. – 11. Juni 2017
Wir wollen nicht wachsen um des Wachstums willen
Margrit Bühler, «Freie Gemeinschaftsbank»

Die anthroposophische Freie Gemeinschaftsbank vergibt Kredite an ökologische und soziale Projekte und fördert damit die Unternehmensvielfalt sowie die regionale Wertschöpfung. Wachstum als Selbstzweck sei nicht das Ziel, meint Vize-Verwaltungsratspräsidentin Margrit Bühler.

«Ihr Geld arbeitet für Sie» – dieser Banken-Slogan aus den Neunzigerjahren entsprach dem damaligen Zeitgeist und suggerierte: Der Mensch muss nicht mehr arbeiten, sondern sein Kapital bloss geschickt anlegen. «Das ist Unsinn, Geld arbeitet nicht», sagt Margrit Bühler. «Es sind immer Menschen, die einen Gewinn erwirtschaften.» Bühler beschäftigt sich seit jeher mit Geldfragen. Als Vize-Verwaltungsratspräsidentin der Freien Gemeinschaftsbank vertritt sie Werte, die nicht in das gewohnte Bankenbild passen: «Wachstum um des Wachstums willen ist nicht unser Ziel. Wir wachsen moderat und reinvestieren alles in den Betrieb.»

Die Freie Gemeinschaftsbank wurde 1984 nach anthroposophischen Grundsätzen in Dornach gegründet mit dem Ziel, sich für das Wohl von Mensch, Tier und Natur einzusetzen. «Wir bewegen uns zwischen Wirtschaft, Sozialem und Umwelt», erklärt Bühler. 1999 verlegte die Genossenschaftsbank ihren Sitz nach Basel, vor drei Jahren eröffnete sie im Gundeldingerquartier einen Neubau. Aktuell beschäftigt sie 26 Mitarbeitende und verzeichnet rund 5000 Kundinnen und Kunden, die Hälfte von ihnen sind Genossenschaftsmitglieder.

Wir unterstützen Wohnprojekte, Biolandwirtinnen und Künstlerinitiativen.
Margrit Bühler

Im Unterschied zu konventionellen Banken handelt und spekuliert die FGB nicht mit abstrakten Geldern. Ihr Geschäftsmodell beruht auf Handfestem, nämlich auf Kontoführung und Kreditvergabe. Einerseits nimmt sie gegen Zins Geld von Anlegern, andererseits verleiht sie Geld, wiederum gegen Zins, an Firmen und Personen, die ihre Werte teilen. Das schweizweit tätige Unternehmen unterstützt Bildungsinstitutionen, biodynamische und biologische Landwirtschaft, Künstlerinitiativen, Altersheime, Kliniken und Wohnprojekte. Bühler: «Zu uns kommen auch Menschen mit wenig Sicherheiten, die anderswo keinen Kredit erhalten.» Dennoch vergibt die FGB ihre Gelder nicht leichtfertig. Kreditnehmer müssen Konzept und Budget vorlegen und bereit sein, mit der Bank im Austausch zu bleiben; zudem werden sie auf der Website der FGB und im Geschäftsbericht publiziert. Dieses Verfahren, das auf Vertrauen und menschlichen Beziehungen beruht, scheint sich zu bewähren: Laut Bühler müsse die FGB praktisch keine Abschreibungen hinnehmen. Sie räumt ein, dass das Kreditgeschäft in Zeiten der tiefen Zinsen schwierig sei. Die Besonderheit der FGB, dass die Anleger den Zinssatz bis zu einem Maximalsatz wählen können, sei aktuell obsolet. Seit 2018 erhebt die FGB einen Leistungsbeitrag für die Kontoführung.

Letztlich braucht es immer Geld, um etwas zu bewirken.
Margrit Bühler

Die 69-jährige Margrit Bühler gehört seit 2006 dem Verwaltungsrat der FGB an, zudem ist sie Präsidentin der 2001 gegründeten Stiftung Freie Gemeinschaftsbank. Zuvor war sie neun Jahre Mitglied des Ethischen Rats der Alternativen Bank. Bühler interessierte sich schon früh für Anthroposophie und Biolandwirtschaft; 18 Jahre lang leitete sie die Redaktion der «Beiträge zur biologisch-dynamischen Landwirtschaft» von Demeter Schweiz. In die Finanzbranche stieg sie ein, weil sie wissen wollte, wie Finanzströme zusammenhängen und Marktpreise entstehen. «Als ich jung war, kam ich mit wenig Geld aus. Irgendwann wurde mir bewusst, dass ich das für mich persönlich zwar so halten kann. Doch letztlich ist immer Geld nötig, um etwas zu bewirken.» Sie interessiere die Frage nach der Verantwortung, die der Umgang mit Geld mit sich bringt: «Was kann man mit dem Geld, das einem zur Verfügung steht, für sich selbst und die Gemeinschaft bewirken? Auf was kann ich verzichten?»

Die Finanzexpertinnen und -experten der FGB verstehen sich nicht als Allwissende, die ihrer Kundschaft vorschreiben, was sie mit ihrem Geld anstellen sollen. «Bei uns stehen die individuellen Motive der Einzelnen im Vordergrund. Wir klären im Gespräch ab, welche Anliegen sie haben und schauen gemeinsam, wie sich diese umsetzen lassen.» Assoziative Wirtschaft nennt sich das, wenn alle Beteiligten auf ein gemeinsames Ziel hinarbeiten, ohne einander zu übervorteilen. Dazu gehört, dass auch der Demeter-Hof, der die Belegschaft der FGB mit frischem Obst versorgt, und die Putzfrau, welche die Büros reinigt, fair entlohnt werden. Übrigens: Bei der FGB erhalten alle den vertraglich festgelegten Lohn – Boni gibt es keine.

Gesellschaft, Wirtschaft

Autoren
Text: Béatrice Koch
Fotos: Oliver Hochstrasser, Rolf Jeck, Konstanze Brefin Alt, Sara Contini-Frank

Kurzprofil
Freie Gemeinschaftsbank Genossenschaft
Meret Oppenheim-Strasse 10
4053 Basel
www.gemeinschaftsbank.ch

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