Umweltagenda Basel
«Vorbilder von heute für morgen»
9. – 11. Juni 2017
Schlangen, Fledermäuse und «Grieni Kääfer»
Veit Stähli, Leiter Jugendnaturschutzgruppe «Grieni Kääfer», Pro Natura Basel

Wie tönt ein Teichfrosch? Wie schnell fliegt eine Fledermaus? Und welche Insekten schwirren durch die Stadt? Die «Griene Kääfer» wissens – dank Veit Stähli, der mit der Jugendnaturschutzgruppe von Pro Natura jeden Monat zu einer neuen Exkursion in und um Basel aufbricht.

«Hallo Veit.» Die junge Frau freut sich sichtlich, Veit Stähli zufällig in der Stadt wiederzusehen. «Ich bin Nadja und war als Kind bei den Griene Kääfer», hilft sie ihm auf die Sprünge, als er sie nicht auf Anhieb erkennt. Es sei eine so tolle Zeit gewesen und bis heute erinnere sie sich gerne an die Samstage draussen in der Natur. «Die Erlebnisse haben mich derart geprägt, dass ich jetzt Biologie studiere», erzählt sie voller Begeisterung. Es sind unter anderem solche Begegnungen, die Veit Stähli motivieren, seit zwölf Jahren Monat für Monat mit teilweise über 30 Kindern in den Langen Erlen nach Wildtieren Ausschau zu halten, in der Lehmgrube «Andil» im Laufental nach Fossilien zu suchen oder die jungen Forellen in der Fischaufzuchtanlage im Brüglingerhof zu beobachten. «Es macht mich stolz und glücklich, dass ich durch meine freiwillige Arbeit so viel bewegen und Kinder für den Naturschutz begeistern kann», sagt Stähli.

Dem Vorstandsmitglied der Naturschutzorganisation Pro Natura Basel ist es ein grosses Anliegen, den Nachwuchs für die Umwelt und die Natur zu sensibilisieren. «Die Kinder sollen lernen zu begreifen, wie die Natur funktioniert und wie sich unser Verhalten auf die Umwelt auswirkt», fasst er seinen Leitgedanken zusammen. Zudem will er den Kindern zeigen, dass die Natur nicht nur im Wald, auf dem Feld oder in den Auen lebt, sondern auch mitten in der Stadt. «Wir gehen deshalb immer wieder auf Exkursion durch Basel, nicht zuletzt, um zu entdecken, welche Insekten sich etwa auf dem Barfi finden lassen, wo es kaum Bäume und Sträucher gibt.» Erst kürzlich durfte die Jugendnaturschutzgruppe mit einem Experten Fledermäuse beobachten, die unter der Wettsteinbrücke hausen. «Die Kinder konnten mittels eines Detektors die hochfrequenten Ortungsschreie der Fledermäuse bei der Jagd hören. Das hat sie total fasziniert.»

Es macht mich stolz und glücklich, dass ich durch meine freiwillige Arbeit Kinder für den Naturschutz begeistern kann.
Veit Stähli

Zusammen mit seinem Team aus fünf Studierenden stellt Stähli die Exkursionen möglichst abwechslungsreich zusammen. Dabei umfasst das Jahresprogramm auch Zollibesuche, ganztägige Waldanlässe oder eine Führung in der Kehrichtverwertungsanlage. «Letzteres mag auf den ersten Blick nicht viel mit Natur zu tun haben. Aber mir ist es wichtig, den Kindern die Zusammenhänge aufzuzeigen», erklärt Stähli. Zuvor hatten die Kids den Hardwald durchstreift und Abfall gesammelt, um dann beim Besuch der KVA Basel zu beobachten, was mit dem gefundenen Material passiert.

Es sei das Erlebnis selbst, das für die Gruppe wichtig sei, sagt Stähli, der für seine ehrenamtliche Tätigkeit 2015 mit dem «Kischtli-Bryys» der Bürgergemeinde Basel ausgezeichnet wurde. «Ich will nicht mit erhobenem Zeigefinger mahnen, sondern die Kinder die Natur erleben lassen», betont er. Und wenn er in der Lehmgrube neben Fossilien auch noch eine lebende Ringelnatter findet und sie zeigen kann, ist er ebenso begeistert wie die Schar der kleinen «Griene Kääfer». Es sei immer ein absoluter Höhepunkt Wildtieren in der freien Natur und nicht in einem Tierpark oder im Zoo zu begegnen.

Der Projektleiter eines Ingenieurbüros leitet die «Griene Kääfer» seit 2007. Die Jugendnaturschutzgruppe, die Pro Natura schweizweit in jedem Kanton anbietet, trifft sich einmal monatlich und ist offen für Kinder von sechs bis zwölf Jahren. Das Angebot ist kostenlos und niederschwellig: Eine Mitgliedschaft bei Pro Natura ist nicht Voraussetzung und die Kids dürfen auch spontan einen Nachmittag reinschnuppern. «Wir freuen uns immer über neue Grieni Kääfer», sagt Stähli.

Wir freuen uns immer über neue Grieni Kääfer.
Veit Stähli

Aus eigener Erfahrung weiss er, wie wichtig es ist, dass Kinder sich in der Natur austoben können. «Ich bin in Laufen aufgewachsen. Mein Grossvater war Förster und hat mich nach der Schule regelmässig in den Wald mitgenommen», erinnert er sich. Als er nach Basel zog, fehlte ihm die Natur, weshalb er Mitglied von Pro Natura wurde und bis heute aktiv im Vorstand mitwirkt. Die Nachmittage mit seinem Grossvater im Wald seien kostbare Erinnerungen: «Was ich damals erlebte, möchte ich den Kindern von heute ebenfalls ermöglichen.»

Ich will nicht mit erhobenem Zeigefinger mahnen, sondern die Kinder die Natur erleben lassen.
Veit Stähli
Pflanzen

Autorin
Interview: Helen Weiss
Fotos: Helen Weiss / zVg.

Kurzprofil
Jugendnaturschutzgruppe «Grieni Kääfer»
Pro Natura Basel
Veit Stähli
Gellertstrasse 29
4052 Basel
www.pronatura-bs.ch/de/jugendnaturschutz

Weitere Vorbilder
Marie und Michael Tuil

Bis vor eineinhalb Jahren war sie Journalistin, er Unternehmer. Heute sind Marie und Michaël Tuil Kaffeeimporteure mit einer Mission. Sie beziehen den Kaffee direkt von äthiopischen Kleinbauern und verkaufen ihn ohne Zwischenhandel.

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Veit Stähli

Wie tönt ein Teichfrosch? Wie schnell fliegt eine Fledermaus? Und welche Insekten schwirren durch die Stadt? Die «Griene Kääfer» wissens – dank Veit Stähli, der mit der Jugendnaturschutzgruppe von Pro Natura jeden Monat zu einer neuen Exkursion in und um Basel aufbricht.

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