Umweltagenda Basel
«Vorbilder von heute für morgen»
9. – 11. Juni 2017
Kompostplatz als Quartiertreff
Markus Knöpfli, Kompostgruppe «Hammer 1»

Organisches Material sinnvoll verwerten und den sozialen Kontakt im Quartier stärken: Der Quartierkompost «Hammer 1» erfüllt gleich mehrere Funktionen. Auch Kinder und ältere Menschen sind herzlich bei uns willkommen, sagt Markus Knöpfli, einer der beiden Koordinatoren des Platzes.

Am Durchgang zwischen Hammerstrasse und Efringerstrasse im Kleinbasel stehen acht Kompostbehälter vor einer mit Graffiti besprühten Hauswand. Das etwa 100 Quadratmeter grosse, umzäunte Areal bietet ausserdem Raum für mehrere Kisten mit Holzhäcksel, eine Werkzeugtruhe, zwei Wasserbehälter und einen Lagerplatz für die fertige Komposterde. Zudem warten hier bereits mehrere volle Komposteimer, die Mitglieder der Kompostgruppe «Hammer 1» zum Entleeren deponiert haben. Derzeit bewirtschaften 46 Haushalte aus der angrenzenden Siedlung und dem Matthäusquartier den Platz. Einer der beiden ehrenamtlichen Koordinatoren der Gruppe ist seit gut 20 Jahren Markus Knöpfli.

Beim gemeinsamen Kompostieren lassen sich fremdsprachige Anwohnerinnen und Anwohner sowie Menschen aller Generationen gut einbeziehen.
Markus Knöpfli

«Es ist mir ein grosses Anliegen, sorgsam mit Natur und Umwelt umzugehen», erzählt der 58-jährige Primarschullehrer. Wichtig sei ihm auch der soziale Aspekt: «Ich will etwas gegen die Anonymität im Quartier tun und deshalb Menschen zusammenbringen und vernetzen.» Dies gelingt der Kompostgruppe «Hammer 1», deren Mitglieder auch aus Osteuropa, Grossbritannien oder Südafrika stammen, offenbar gut: So habe ihm eine indische Familie nach ihrem Wegzug geschrieben, die Gruppe sei für sie der einzige Ort gewesen, an dem sie in Basel ausserhalb ihrer indischen Gemeinschaft Kontakte knüpfen konnte. «Beim kollektiven Kompostieren lassen sich fremdsprachige Anwohnerinnen und Anwohner sowie Menschen aller Generationen gut einbeziehen», so Knöpflis Erfahrung. Der 83-jährige Georg Vischer etwa, der gerade mit seinem Kompostkübel vorbeikommt, befüllt seit letztem Sommer gemeinsam mit anderen Senioren regelmässig die Wasserbehälter, die für das Befeuchten des Komposts genutzt werden.

Besonders als Familie spart man einiges an Bebbi-Sack-Gebühren: Rund ein Drittel der Haushaltsabfälle sind kompostierbar.
Markus Knöpfli

Ein Argument für Anwohnerinnen und Anwohner, in der Kompostgruppe mitzuarbeiten, sei auch die finanzielle Komponente, sagt Markus Knöpfli: «Besonders als Familie spart man einiges, denn ein Drittel der Haushaltsabfälle kann kompostiert werden.» Zudem sei der Kompostplatz ideal, um Kindern zu zeigen, wie der Naturkreislauf funktioniert. «Kinder können in der fertigen Komposterde graben und Regenwürmer oder Larven des Rosen- und Nashornkäfers beobachten.»

Pro Monat investiert Knöpfli eineinhalb Tage für die Erstellung des Einsatzplans der Gruppe, das Einführen neuer Mitglieder und seine Arbeit vor Ort. Der Plan stellt sicher, dass die Öffnungszeiten des Platzes immer durch ein dreiköpfiges Team abgedeckt sind. Denn alle Mitglieder müssen mitarbeiten, wobei sie einmal pro Monat für eine Stunde zum Einsatz kommen: Sie leeren die Kompostkübel, zerhacken den Inhalt mit dem Spaten, geben Häcksel und Steinmehl dazu, mischen das organische Material und verteilen es auf die Behälter. Dort wird es unter das ältere Material gemengt und mit Wasser befeuchtet. Alle sechs Wochen kann ein Kompostgitter geleert werden. Dann werden der reife Kompost gesiebt und die fertige Erde auf dem Lagerplatz deponiert. Die gröberen, verholzten Bestandteile landen für einen zweiten Durchlauf in der Häckselkiste.

Mitglieder, die frische Komposterde für Garten- oder Topfpflanzen benötigen, können diese jederzeit mitnehmen. Einmal pro Jahr trifft sich die Gruppe zu einem Komposttreff mit Apéro. «Die Mitglieder nutzen die gemeinsamen Anlässe, um sich kennenzulernen», erzählt Knöpfli. Auch anderweitig hat der Kompostplatz eine gesellschaftliche Funktion: «Allein, dass hier zweimal pro Woche gearbeitet wird und 46 Personen zu unterschiedlichen Zeiten ihre Kübel bringen und holen, sorgt in diesem etwas abseits gelegenen Durchgang für eine gewisse soziale Kontrolle des Raums», betont Knöpfli. Hinzu kommt, dass ein Mitglied regelmässig Abfälle rund um den Kompostplatz beseitigt.

Zurzeit ist der Kompost «Hammer 1» einer von 26 Quartierkompostplätzen im Kanton Basel-Stadt. «Hinzu kommen rund 3‘600 Hinterhofkomposte, an die insgesamt 10'000 Haushalte angeschlossen sind», berichtet Edith Egli von der Kompostberatung der Stadtgärtnerei Basel. Ihre Fachstelle überlässt den Gruppen kostenlos Kompostbehälter, -siebe und -gabeln sowie Häcksel, berät sie und begleitet ein neues Team ein Jahr lang, bis alles wie am Schnürchen läuft.

Publiziert im Dezember 2020

Abfall, Recycling, Ressourcen

Autoren
Text: Yvonne Kiefer-Glomme
Fotos: Arnd Sturm www.foto-werkstatt.ch und Yvonne Kiefer-Glomme

Kurzprofil
Kanton Basel-Stadt
Stadtgärtnerei, Kompostberatung
Münsterplatz 10
4001 Basel
www.stadtgaertnerei.bs.ch

Kompostgruppe «Hammer 1»
kgmbh(at)gmx.ch

Weitere Vorbilder
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