Umweltagenda Basel
«Vorbilder von heute für morgen»
9. – 11. Juni 2017
Warum kaufen, wenn man leihen kann?
Noël Michel, «Leihlager Basel»

Geräte und Maschinen von anderen auszuleihen, ist nicht nur ressourcenschonend und platzsparend, sondern hat auch eine soziale Komponente. Noël Michel und sein Team haben mit dem Leihlager einen Ort geschaffen, wo dies möglich ist.

Was Noël Michel auch anpackt, die Nachhaltigkeit spielt in seinen Überlegungen stets eine Rolle: «Schon während meines Studiums der Innenarchitektur und Szenografie versuchte ich, diesen Aspekt zu berücksichtigen», erklärt der 30-Jährige. Damals auch stiess er bei Internetrecherchen auf das Konzept von Leihläden. Die Idee: Bei Bedarf leiht man sich Maschinen, Gegenstände und Apparate, statt sie zu kaufen. Das ist nicht nur ressourcenschonend, sondern auch platzsparend.

«Ich hatte schon länger vor, ein solches Projekt in Basel aufzuziehen», meint der Bündner, der seit 2013 in Basel lebt. «Als ich vor zwei Jahren hörte, dass in Bern eine Leihbar eröffnet, nahm ich umgehend Kontakt auf.» Michel war nicht der einzige Basler, der anklopfte. Auch der Umweltingenieur Felix Elbert hatte sich bei den Schweizer Pionieren des Ausleih-Geschäfts gemeldet. «Sie verkuppelten uns», meint Michel lachend. Komplettiert wird das Gründungsteam des Basler Leihlagers durch Projektmanagerin Meret Vischer. Während anderthalb Jahren tüftelte das Trio an seinem Konzept. «Dank Crowdfunding kamen über 19'000 Franken zusammen. Diese benötigten wir nicht zuletzt, um die Infrastruktur unseres neuen Lagers aufzubauen», so Michel.

Unser Projekt hat nicht nur einen ökologischen, sondern auch einen sozialen Aspekt.
Noël Michel

Das Sortiment des Leihlagers enthält Second-Hand-Ware aus Privathaushalten oder Betrieben. «Ausserdem erhielten wir von Firmen neue Objekte, die wir nun verleihen können», freut sich Michel. Auf 24 Quadratmetern kamen so 180 Objekte zusammen, die seit der Eröffnung Mitte Februar 2020 nach Kategorien sortiert auf ihre temporären Benutzerinnen und Benutzer warten. Mit einer Jahresmitgliedschaft von 75 Franken für eine Einzelperson lässt sich das gewünschte Objekt eine Woche lang ausleihen. «Verlängerungen sind gegen eine Wochengebühr möglich», erklärt Michel. Auf der Leihlager-Webseite reservieren die Nutzerinnen und Nutzer den Gegenstand und holen diesen anschliessend im Leihlager ab. Bevor die Objekte nach Gebrauch wieder in den Tauschkreislauf zurückkehren, werden sie gereinigt und überprüft. «Beliebt sind vor allem die aufblasbare Gästematratze, der Schlaghammer und die Stichsäge», berichtet Michel. Wenn gewünscht, werden die Kunden in die Handhabung der Geräte und Maschinen eingeweiht. «Wir möchten damit den Kontakt fördern, denn wir sehen nicht nur einen ökologischen, sondern auch einen sozialen Aspekt in unserem Projekt», so Michel.

Mittlerweile arbeitet ein gutes Dutzend freiwillige Helferinnen im Leihlager – von der Studentin bis zur Rentnerin. «Ohne ihren Einsatz wäre der Betrieb unmöglich», betont Michel, der wie alle Gründungsmitglieder ebenfalls ehrenamtlich für das Projekt arbeitet. Mittlerweile zählt das Leihlager rund hundert Mitglieder, die einen Jahresbeitrag bezahlt haben. Damit sind die Initianten sehr zufrieden, doch leben können sie vom Leihgeschäft aktuell nicht. «Das Lager soll in vier bis fünf Jahren selbsttragend sein», sagt Michel. Er arbeitet in einem 60 Prozent-Pensum als Grafiker und ist auch für den optischen Auftritt des Leihlagers zuständig. «Hier kann ich Werbung für etwas machen, hinter dem ich stehen kann.»

Es braucht nur Lust, um bei uns mitzumachen.
Noël Michel

Aufgrund der Corona-Pandemie musste auch das Leihlager seine Türen vorübergehend schliessen. Doch der Betrieb steht nicht still: In Windeseile entwickelte das Team einen bereits zuvor angedachten Lieferservice. Mit dem Cargobike werden nun reservierte Objekte in ganz Basel bis vor die Haustür geliefert. Michel kann der momentanen Situation auch Gutes abgewinnen: «Für uns ist das eine Testphase, in der wir dieses Angebot ausprobieren können.» Auch für die Zeit nach den Einschränkungen durch die Pandemie hegt man schon zahlreiche Ideen für die Ausweitung des Betriebs. Dazu gehört etwa ein Beratungsausbau für die Handhabung des Sortiments – in letzter Zeit wurden beispielsweise oft Nähmaschinen nachgefragt. Zudem sollen die Öffnungszeiten von zwei auf drei Tage ausgedehnt werden. Helfende Hände sind deshalb im Leihlager immer willkommen. Vorkenntnisse für die freiwillige Mitarbeit braucht es laut Michel nicht. «Man muss einfach Lust haben mitzumachen.»

Abfall, Recycling, Ressourcen

Autorin
Interview: Julia Konstantinidis
Fotos: z.V.g.

Kurzprofil
Verein Leihlager
c/o Büro Berrel Gschwind
Feldbergstrasse 76
4057 Basel

www.leihlager.ch

Weitere Vorbilder
Andreas Merz, Hans Walter

Zwei Fliegen mit einer Klappe schlägt die Bauteilbörse Basel: Sie sorgt für Ressourcenschonung im Baubereich und integriert gleichzeitig Menschen in den ersten Arbeitsmarkt. Die beiden Geschäftsleiter Andreas Merz und Hans Walter sind an vorderster Front mit viel Herzblut dabei.

Mehr...
Felix Schröder

Felix Schröder fragte sich: Wie es möglich ist, dass wir den Generationenvertrag - eine lebenswerte Umwelt für unsere Kinder und Enkel - einhalten können? Das führte ihn zur Gründung der Lebensmittelkampagne im Jahr 2014. Erstes Produkt ist feinstes griechisches Olivenöl.

Mehr...