Umweltagenda Basel
«Vorbilder von heute für morgen»
9. – 11. Juni 2017
Langlebig und ästhetisch
Luzia Borer «Öl & Kalk»

Luzia Borer ist die Malwerkstatt "Öl & Kalk" in Basel. Fundiertes Wissen rund um Naturmaterialien zeichnet das Ein-Frau-Unternehmen aus. Besonderes Merkmal ist, dass sie mit E-Bike und Anhänger unterwegs ist.

Es ist machbar!

Die lebhafte Malerin und Dozentin ist kaum zu bremsen, wenn sie von ihrer Passion spricht: von Pigmenten, Ölen und Wachsen, von Bindemitteln, Kalk und Lehm, von Renovierung und Unterhalt. Und wenn sie vor einem steht und einen Deckel nach dem anderen öffnet, um den Blick auf die farbigen Pigmente aus aller Welt zu ermöglichen, wird man neugieriger und fragt sich, wie es wäre, sie ganz in Aktion zu erleben.

Alles natürlichen Ursprungs – denn es gibt schlicht keinen guten Grund, anderes zu verwenden.
Luzia Borer

Allerdings bräuchte es dafür ein Velo. Luzia Borer ist - und das ist ein Markenzeichen ihrer Malwerkstatt "Öl & Kalk" - stets auf zwei Rädern unterwegs. Auch dies hat in ihrem geräumigen Atelier im Hinterhaus der Ramsteinerstrasse Platz: Die "mobile Werkstatt" bestehend aus einem E-Bike älteren Datums und dem grossen Anhänger. "Der Flyer ist schon 14 Jahre alt und hat gerade eine "Frischzellenkur" hinter sich", sagt die Fachfrau mit ansteckendem Lachen. "In dem Anhänger kann ich all das verstauen, was ich für meine Arbeit vor Ort benötige." Auf ihrem Handy zeigt sie ein Foto des vollbepackten Anhängers, selbst die Leiter findet Platz. Bis Bettingen, Dornach oder Pratteln sei sie damit unterwegs. Einen handlicheren Anhänger habe sie noch, wenn sie mit dem Zug unterwegs sei. "Viele Leute im Zug fragen mich, was ich denn dabei habe. So gibt es immer viel zu reden", freut sich Luzia Borer. Mit ihrem Gespann sei sie genauso schnell wie mit einem Auto und zudem viel wendiger.

Natürlich aussergewöhnlich

Aussergewöhnlich ist nicht nur das Fortbewegungsmittel. Das Ein-Frau-Unternehmen ist aber nicht nur deshalb in Stadt und Land gut bekannt. Aussergewöhnlich sind ihre Farb-, Putz- und Belagsmaterialien sowie Leime, die sie verwendet. "Alles natürlichen Ursprungs - denn es gibt schlicht keinen guten Grund, anderes zu verwenden", erklärt sie. Für sie ist es absolut logisch, mit natürlichen und damit ökologischen Materialien zu arbeiten. Vorteile hat dies nicht nur für die Umwelt, sondern auch für den Verbraucher beziehungsweise den Nutzer. Fenster oder Türen, die mit einer Kalk- oder Ölfarbe gestrichen werden, können von den Besitzern selber gereinigt und gepflegt werden. Die Dinge halten viel länger und man spart Kosten.

Langlebig und ästhetisch heisst darum Luzia Borers Devise. "Ich tüftle gern herum. Ich kann etwa die Bindemittel im Glanzgrad oder Elastizität an das gewünschte Resultat anpassen oder mit meinen Pulverpigmenten aus Erden interessantere Farbtöne kreieren, als es die Farbindustrie mit ihren synthetischen Farbstollen kann." Der Nachteil von Acrylfarbe beispielweise sei, dass man nicht renovieren könne, sondern nur abschleifen und neu streichen. Leider, so sagt Luzia Borer, müsse man sich oft noch erklären, wenn man mit Naturfarben streiche. "Wenn man aber mit synthetischen Farben streicht, fragt keiner nach, wieso man das macht und wie lange es auf einem Bauteil hält."

Einfach anders arbeiten und leben

Die Malerin hat sich in den vielen Berufsjahren ein profundes Wissen angeeignet, vieles davon weitgehend im Eigenstudium. Diese Kenntnisse lernt kein Lehrling in seiner Ausbildung, das wird im normalen Maleralltag auch nicht verlangt. "Interessant wird es in der Gestaltung bei speziellen Oberflächen. Oder mit einem Bewusstsein für Nachhaltigkeit und einfache Renovation, die Kosten spart." Ihr spezifisches Fachwissen wird geschätzt, unter anderem auch als Dozentin an der Malerfachschule Nordwestschweiz oder als Fachexpertin Berufsprüfung Gestalter/in am Haus der Farbe in Zürich.

Luzia Borer will zeigen, dass es auch anders geht. Und warum soll das beim Transportmittel aufhören? "Ich gebe somit das Bild weiter: Es ist machbar!" Ihre Überzeugung, mit dem zu arbeiten, was Mutter Natur zu bieten hat, wurde ihr in die Wiege gelegt. Und ihre Haltung zeigt zunehmend Wirkung, auch bei Grosskunden: So hat die Stiftung Abendrot in Basel Luzia Borer kürzlich herangezogen, um ein neues Leitbild für gestrichene Oberflächen zu entwickeln, und immer mehr Architekten und Planer ziehen sie bereits bei Vorprojekten als Fachfrau bei.

Luzia Borer lebt auch privat umweltgerecht. Sie wohnt zusammen mit ihrem Partner in einer genossenschaftlichen Überbauung mit Minergie P und teilt dort mit anderen Waschküche, Werkraum, Gästezimmer und Garten. "Wir leben gut zusammen, pflegen einen regen Austausch untereinander und unterstützen uns gegenseitig."

Gesellschaft

Autoren
Text: Lioba Schneemann
Fotos: Lioba Schneemann

Kurzprofil
Öl + Kalk GmbH
Ramsteinerstrasse 16
4052 Basel

www.oelundkalk.ch

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