Umweltagenda Basel
«Vorbilder von heute für morgen»
9. – 11. Juni 2017
Die Samenbank im Safe
Anna Schaffter, Florine Biber und Julien Rondez, «Schweizerische Samenbörse»

Rechtzeitig zum Frühlingsbeginn eröffnet die Schweizerische Samenbörse ihre Tore in Basel: Hinter der Plattform steckt das Kollektiv Nartifikultur, das die städtische Natur in den Fokus rücken und die hiesige Bevölkerung mit Saatgut versorgen möchte.

Kennengelernt haben sich Anna Schaffter, Florine Biber und Julien Rondez in Basel – im Rahmen ihrer Ausbildung im Bereich der Kunstvermittlung respektive der visuellen Kommunikation. Was sie ebenfalls vereint, ist ihre Herkunft: Sie alle sind auf dem Land aufgewachsen und leben jetzt in der Stadt, wo sie mitunter die Natur vermissen. «Zuhause im Jura hatte ich einen Garten. Als ich vor acht Jahren nach Basel zog, blieb mir nur noch ein Balkon», erinnert sich Julien Rondez (29).

Die Schweizerische Samenbörse ist eine nichtkommerzielle Plattform, die Saatgut unter die Menschen bringen will.
Anna Schaffter, Florine Biber und Julien Rondez

Angespornt durch ihre Auseinandersetzung mit Themen wie Foodsharing, Food Waste und Baumpatenschaften entschlossen sich die drei Kunstschaffenden Anfang 2020 dazu, das Kollektiv Nartifikultur zu gründen. Der Name setzt sich aus den Begriffen Natur, Artifizielles und Kultur – im Sinn von Bepflanzung, aber auch von Kunst – zusammen. Das erklärte Ziel des Kollektivs ist es, die Natur in der Stadt mit verschiedenen Projekten verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken. Erste Erfahrungen sammelte man mit kleineren Aktionen wie dem Verteilen von 300 Tüten mit Sonnenblumensamen im Wettsteinquartier. «Dass später auf einigen Balkons tatsächlich etliche Sonnenblumen blühten, war wunderbar», erzählt Anna Schaffter (25). Aktuell beschäftigt sich das Kollektiv mit dem Aufbau der Schweizerischen Samenbörse. «Dabei handelt es sich um eine nichtkommerzielle Plattform, um Saatgut unter die Menschen zu bringen», erklärt Schaffter.

Unser Archiv dient auch als Ort der Begegnung.
Anna Schaffter

Vollkommen neu ist die Idee nicht: Laut Julien Rondez wurde man insbesondere durch ein Lausanner Projekt inspiriert, das das Tauschen von Saatgut ermöglicht. Dank der Unterstützung durch das Unternehmen Mitte, das für das Vorhaben den Safe im Untergeschoss des einstigen Bankgebäudes zur Verfügung stellt, habe das Ganze jetzt unerwartete Dimensionen angenommen, sagt Schaffter, und ergänzt: «Dadurch haben wir jetzt einen fixen Ort der Begegnung, wo wir uns mit Interessierten über einzelne Samen unterhalten und uns gegenseitig beraten können.» Ab dem 16. März 2021 wird die Samenbörse jeden Dienstag jeweils zwischen 16 und 19 Uhr geöffnet sein. Aufgrund von Covid-19 sind Besucherinnen und Besucher allerdings gebeten, via Online-Formular vorgängig einen Termin zu reservieren.

Ohne Samen gibt es keine Natur, und ohne Natur gibt es kein Leben.
Anna Schaffter

«Mittlerweile haben wir über 15 Anmeldungen, und jeden Tag kommen zwei bis drei weitere dazu», weiss Rondez. «Es ist zwar wünschenswert, aber keineswegs Voraussetzung, dass unsere Gäste selbst Saatgut zum Tausch mitbringen – man darf also auch einfach vorbeikommen und welches holen.» Schliesslich gehe es beim Projekt vor allem darum, eine möglichst farbige und vielfältige Pflanzensaison in der Stadt, aber auch auf dem Land zu kreieren. Saatgut ist eine grundlegende Ressource von Leben. «Ohne Samen gibt es keine Natur, und ohne Natur gibt es kein Leben», bekräftigt Schaffter.

Das Angebot für die lokale Bevölkerung soll auch der Natur zugutekommen.
Anna Schaffter und Julien Rondez

Um eine möglichst grosse Anzahl an verschiedenen Samen zusammenzutragen, haben die drei unter anderem auch bei Pro Specie Rara angeklopft. «Über diese Stiftung und weitere Quellen, so der eigene Anbau, haben wir bereits über 50 verschiedene Pflanzensorten beisammen», so Rondez. Damit fühlt sich das Kollektiv Nartifikultur, das inzwischen auch einen gleichnamigen Verein gegründet hat, für die Eröffnung seines Samenarchivs gut gewappnet. «Als Umweltvorbilder verstehen wir uns jedoch nicht. Wir wollen einfach ein Angebot für die lokale Bevölkerung schaffen, das auch der Natur zugutekommt», sind sich Anna Schaffter und Julien Rondez einig. Und noch etwas liegt ihnen am Herzen: «Als Kunstschaffende verstehen wir unsere Tätigkeit in der Sammelbörse nicht zuletzt auch als Performance.»

Landwirtschaft, Gartenbau

Interview: Michael Gasser
Fotos: Kollektiv Natrifikultur

Kurzprofil
Kollektiv Nartifikultur
Anna Schaffter, Florine Biber und Julien Rondez
Tresor im Unternehmen Mitte
team(at)nartifikultur.ch
www.nartifikultur.ch

Die Samenbörse im Tresor des Unternehmens Mitte (Untergeschoss) ist ab dem 16. März jeden Dienstag jeweils zwischen 16 und 19 Uhr geöffnet. Für den Besuch empfiehlt sich eine Anmeldung via Website.

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