Umweltagenda Basel
«Vorbilder von heute für morgen»
9. – 11. Juni 2017
20’000 Zigarettenstummel und jede Menge Abfall
Sabine Müller und Flavia Müller, «Trash Hero Basel»

Auf ihrer Weltreise im vergangenen Jahr stiess Sabine Müller auf «Trash Hero». Der Einsatz der internationalen Bewegung zur Verhinderung und Entfernung von Plastikabfall hat sie dazu inspiriert, mit Flavia Müller und einer weiteren Kollegin eine Basler Regionalgruppe zu gründen – und einmal monatlich zur Aufräumaktion mit Freiwilligen aufzubrechen.

Auf ihren sonnengelben T-Shirts bringen Sabine und Flavia Müller ihre Mission in grossen, gut lesbaren Lettern zum Ausdruck: «I’m a Trash Hero.» Obschon die beiden denselben Nachnamen tragen, sind sie nicht miteinander verwandt, fühlen sich aber denselben Themen und Werten verpflichtet: Nebst Foodsharing und Tierschutz setzen sie sich gemeinsam mit ihrer Kollegin Sara Wehrli aktiv für eine intakte und saubere Umwelt ein, indem sie mindestens einmal pro Monat einen sogenannten Clean-up veranstalten. Dabei sammelt eine Schar Freiwilliger in Basel und der näheren Umgebung stundenlang Abfall und Zigarettenkippen ein. Damit wolle man einen Beitrag zum Umweltschutz leisten, erklärt Flavia Müller. «Man muss sich nur vor Augen halten, dass das Nikotin eines einzelnen, weggeworfenen Zigarettenstummels bis zu 1000 Liter Wasser verunreinigen kann.»

Liegt etwas auf dem Boden, das nicht dorthin gehört, liest man es auf und entsorgt es.
Flavia Müller

Wenn sie Gästen die Stadt Basel zeige, schäme sie sich oft dafür, wie schmutzig es überall sei, erklärt die in Binningen wohnhafte Sabine Müller und betont: «Das ist aber keineswegs die Schuld der Stadtreinigung, die macht nämlich einen Superjob.» «Trash Hero» gehe es insbesondere darum, der Verschwendung entgegenzuwirken, so Flavia Müller. «In unserem Alltag sind wir darauf bedacht, nur Produkte zu verwenden, die sich mehrfach nutzen lassen. Und wir sind auch bemüht, unsere Umgebung abfallfrei zu halten.» Während die Lösung des globalen Müllproblems eine höchst komplexe Angelegenheit sei, lasse sich die Situation auf lokaler Ebene direkt anpacken, ist sich die in Allschwil lebende Fotografin Flavia Müller sicher: «Liegt etwas auf dem Boden, das nicht dorthin gehört, hebt man es auf und entsorgt es – natürlich fachgerecht.»

«Trash Hero World» wurde 2014 in Thailand vom Luzerner Roman Peter zusammen mit lokalen Gleichgesinnten gegründet und versteht sich als Bewegung von Freiwilligen, die mittlerweile in 17 Ländern tätig ist. «Ich habe im Rahmen meiner letztjährigen Weltreise darüber nachgedacht, verdreckte Strände zu säubern», erzählt Sabine Müller, die in der Administration einer Bildungseinrichtung arbeitet. Zurück in der Heimat habe sie realisiert, dass es in Sachen Umweltschutz und Abfallvermeidung auch in der Schweiz noch viel zu tun gibt. «Und da in Basel noch keine Regionalgruppe von Trash Hero World existierte, habe ich mich gemeinsam mit Flavia Müller und Sara Wehrli dazu entschlossen, selbst eine zu gründen.»

Werden wir angesprochen, schärft dies das Bewusstsein für die Abfall- und Umweltproblematik.
Sabine Müller

Mit diesem Schritt hat sich das Trio dazu verpflichtet, nebst Clean-ups auch regelmässig Umweltveranstaltungen für Firmen zu anzubieten oder als Ansprechpartnerinnen für Litteringfragen zur Verfügung zu stehen. «Die Vision unserer Organisation ist, dass sowohl Konsumentinnen und Konsumenten als auch Produzentinnen und Produzenten verantwortungsvoll und nachhaltig mit Verpackung und sonstigem Abfall umgehen – oder ihn ganz vermeiden», sind sich die beiden Frauen einig. «Wir arbeiten gratis und bezahlen kleinere Ausgaben aus der eigenen Tasche», hält Flavia Müller fest. Allfällige Spenden fliessen vollumfänglich in ausgewählte Projekte.

Mittlerweile haben die Basler Abfallheldinnen, die ohne festes Büro auskommen und sich vor allem via soziale Medien vernetzen, bereits sieben Clean-ups organisiert und dabei knapp 20'000 Zigarettenstummel zusammengetragen. Bei ihrer bislang letzten Aktion entlang dem Rhein haben sie – ausgerüstet von der Stadtreinigung – nebst Kippen auch Glas- und PET-Flaschen, einen einzelnen Flip-Flop, mehrere Aludosen sowie anderthalb Kilo Restmüll gesammelt. «Das Schöne an diesen Events ist es, dass wir immer wieder angesprochen werden. Das verbreitet gute Laune und ermöglicht es uns, von unseren Anliegen und Aktivitäten zu erzählen», freut sich Sabine Müller. Die Gespräche tragen wiederum dazu bei, das öffentliche Bewusstsein für die Abfall- und Umweltproblematik praxisnah zu schärfen.

Publiziert im September 2020

Abfall, Recycling, Ressourcen
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