Umweltagenda Basel
«Vorbilder von heute für morgen»
9. – 11. Juni 2017
15 Minuten täglich für die eigenen Tomaten
Leslie Vogel, «Urbanroots»

Urbanroots in Basel hat sich zum Ziel gemacht, Stadtmenschen zum Gärtnern zu motivieren. Mit den richtigen Informationen ist es simpel, auf dem eigenen Balkon Gemüse anzubauen: «So wissen wir, wie und wo unser Gemüse wächst», sagt Leslie Vogel, Co-Geschäftsführerin von Urbanroots.

Dutzende von Tomaten-, Peperoni- und Kressesorten: Scarlet Allenspach war überwältigt, als sie vor drei Jahren im Gartencenter das Saatgutangebot studierte. Mit der Aussaat ihrer Wahl machte sie erste Erfahrungen und beschloss, ein Projekt für Interessierte zu lancieren. Sie arbeitete sich autodidaktisch durch den Dschungel an Saatguttüten, trug die wichtigen Informationen zusammen und stellte diese für andere zur Verfügung: Ihre ersten Erfolge teilte sie mit Fotos auf Instagram, so dass ihre Fangemeinschaft bald zu 1000 Followern heranwuchs. Schon nach einem Jahr erstellte Allenspach eine eigene Website. Hier bietet sie Workshops, Gartengestaltungen und ein Abo mit biologischem Saatgut an. Im letztem September holte die Initiantin Unterstützung: Die Co-Geschäftsführerin Leslie Vogel betreut nun den Onlineshop, macht die Werbung und stellt ihren Hobbyraum als Büro und Lagerort für Samen, Dünger und Bio-Erde zur Verfügung. «Ein nächster Schritt für unser Jungunternehmen ist, ein Atelier zu suchen, wo auch Workshops durchgeführt werden können», berichtet Vogel, die im letzten Oktober auch am Pflanzenfestival Botanica mit dabei war.

Ich will wissen, wo und wie mein Essen wächst.
Leslie Vogel

Leslie Vogel schloss das KV mit der Berufsmaturität ab. Zuletzt arbeitete sie in einer Werbeagentur und im Bereich Eventmanagement der Messe Basel. Privat pflegt die 26-Jährige seit Kurzem ein Hochbeet auf ihrem Balkon: «Es gehört zu meinem Job, dass ich bei mir zuhause experimentiere. So kann ich meine Erfahrungen mit der Kundschaft teilen und ihr Auskunft geben.» Obwohl Vogel betont, dass Allenspach der grüne Daumen der Firma sei, blickt sie auf eine Kindheit mit Gartenerfahrung zurück: Sie und ihr Bruder hatten das Glück, von einer Nachbarin die Begeisterung fürs Gärtnern mitzubekommen. Diese passionierte Gärtnerin kaufte den Kindern Samen und jedes der beiden pflegte sein eigenes Gärtchen. Mit der Pubertät wurde dann anderes wichtig. Doch Vogel entdeckte mit dem Einzug in ihre erste eigene Wohnung die Leidenschaft für Zimmerpflanzen wieder. Ihre Motivation für das Projekt Urbanroots ist der sorgfältige Umgang mit den Lebensmitteln: «Wir sollten unbedingt wissen, wo und wie unser Essen wächst.» Es sei im Grunde spielend einfach, Gemüse auf dem Balkon selbst zu ziehen und es nicht einfach im Grossverteiler zu kaufen. Wer sich gründlich informiere, vermeide Fehler und sammle Erfolgserlebnisse. «Das Anpflanzen eignet sich prima als Hobby. Und die Pflanzenpflege bringt einem nicht nur täglich 15 Minuten Erholung, sondern auch wunderbare Lebensmittel», schwärmt Vogel. Die Kundschaft von Urbanroots stammt vor allem aus den Städten Basel, Bern, Zürich, Winterthur und Luzern, neuerdings auch aus der Romandie. «Wer uns kennt, der bleibt und empfiehlt uns weiter», so die Marketingspezialistin.

Wir liefern Koch- oder Kosmetikrezepte zum Verwerten der Pflanzen mit.
Leslie Vogel

Das Saatgutabo bucht man für ein Jahr und bezahlt 155 Franken im Voraus. «So gelingt uns die Finanzierung unseres Projekts.» Monatlich erhält man die «Saatpost» mit saisonalem Saatgut, einer Anleitung und einem Koch- oder sonstigem Verwertungsrezept. Im ersten Jahr sind unkomplizierte Pflanzen wie Radieschen, Tomate, Erbse, Mangold, Spinat und essbare Blüten im Abo. Im zweiten Jahr – Feuerbohnen, Kohlrabi, Kürbis und Rüebli – wachsen die Herausforderungen. Die Samensäckchen werden in Handarbeit von einem Sozialunternehmen abgefüllt und an die zurzeit 400 Abonnentinnen und Abonnenten verschickt. Alle verwendeten Materialien wie Saatgut, Anzuchttöpfchen und Erde kommen möglichst aus regionaler Produktion. Als nächstes sind weitere Angebote für Kinder geplant, so Vogel: «Eine spezielle Saatbox für die junge Generation gibt es bereits und demnächst bieten wir auch Workshops für Kinder an.»

Publiziert im März 2021

Landwirtschaft, Gartenbau

Interview: Bettina Hägeli
Fotos: Urbanroots, Brigitte Maurer und Melissa Nussberger

Kurzprofil

Leslie Vogel
Urbanroots
Gellertstrasse 2A
4052 Basel
www.urbanroots.ch

Weitere Vorbilder
Johanna Löffel

Johanna Löffel ist ein Urgestein auf dem Kompostplatz St. Johann. Seit 1993 ist sie aktiv dabei, schaufelt, hackt und verarbeitet dort das organische Material, das hier jeden Samstag von Leuten aus dem Quartier hergebracht wird. Aktuell tragen insgesamt sechs Gruppen ihren Teil dazu bei, dass am Ende gute Komposterde entsteht, die man für Balkonkisten oder im Garten verwenden kann. Die Kompostaktivistin versucht, möglichst umweltbewusst zu leben und ihren kleinen Beitrag für die Welt zu leisten.

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Eine lokale Währung als Alternative zum Bargeld in Schweizer Franken oder zur Kreditkarte – seit 10 Jahren ist diese Idee in Basel Realität. Der NetzBon hat das Ziel, nachhaltige Initiativen zu fördern und ein transparentes, spekulationssicheres Zahlungsmittel darzustellen, sagt Isidor Wallimann.

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