Umweltagenda Basel
«Vorbilder von heute für morgen»
9. – 11. Juni 2017
Raven und Rennen für sauberes Wasser
Martin Schaffner, Mitglied von «Viva con Agua Basel»

Sauberes Trinkwasser und sanitäre Grundversorgung für Menschen in Mosambik, Südafrika und Nepal – das ist das Ziel von Viva con Agua Schweiz. Seit zehn Jahren engagiert sich Martin Schaffner bei der international aktiven All-Profit-Organisation – und sammelt fleissig Mehrwegbecher für diese ein.

An Festivals kann es schon mal vorkommen, dass Martin Schaffner einem Kind einen Kanister auf den Kopf stellt: «So erfährt es am eigenen Leib, wie es sich anfühlt, wenn man Durst hat, aber nicht einfach den Wasserhahn aufdrehen kann, um zu trinken. Sondern wenn man erst mit dem Kanister viele Kilometer bis zum Brunnen zurücklegen muss.» Während Schaffner die Kleinen auf diese Weise auf solche Lebensumstände aufmerksam macht, bringt er Jugendlichen und Erwachsenen das Thema vor allem mit Fakten näher. So erklärt er ihnen etwa, dass weltweit 2,2 Milliarden Menschen keinen gesicherten Zugang zu sauberem Trinkwasser haben. Viva con Agua, «Lebe mit Wasser», so heisst die gemeinnützige Organisation, für die sich der 31-Jährige einsetzt und die das Leben von Menschen unter anderem in Mosambik, Südafrika und Nepal verbessern will. Das internationale Netzwerk fördert in Zusammenarbeit mit der Entwicklungsorganisation Helvetas ganzheitlich konzipierte Projekte im Bereich Wasser, sanitäre Infrastrukturen und Hygiene.

Wasser ist die Grundlage für alles. Ohne Wasser gibt es auch keine Würde.
Martin Schaffner

Bereits seit zehn Jahren ist Schaffner für Viva con Agua Schweiz aktiv. Die 20 Mitglieder der Gruppe Basel treffen sich einmal im Monat im Begegnungsort KLARA. Zum Netzwerk gestossen ist der Primarlehrer über seine Schwester. Rasch habe es ihm «den Ärmel reingenommen», sagt Schaffner, dem am Verein insbesondere der freundschaftliche Umgang miteinander gefällt. Er wollte sich schon längere Zeit sozial engagieren, das Konzept von Viva con Agua mit viel Freiwilligenarbeit habe ihn überzeugt. «Wir wollen nicht die Welt neu erfinden, sondern Hilfe zur Selbsthilfe bieten. Ausserdem ist Wasser die Grundlage für alles. Man braucht es zum Überleben. Und ohne Wasser gibt es auch keine Würde.»

Manche Musiker studieren mit den Kindern vor Ort Songs ein.
Martin Schaffner

An Events wie dem Jugendkulturfestival oder dem Open Air Basel sammelt Schaffner mit seinen Kolleginnen und Kollegen Becher ein, manchmal ist er dafür mit einer Tonne auf Rädern unterwegs: Die Besucher werfen ihre Becher als Spende hinein und überlassen das Depot Viva con Agua. Die All-Profit-Organisation zielt auf ein jüngeres Publikum. Dabei geht es nicht nur ums Geldsammeln, der Verein will auch soziale Energie aus den Bereichen Kunst, Kultur und Sport bündeln. So engagieren sich Schweizer Musikerinnen und Musiker wie Steff la Cheffe oder Baschi für den guten Zweck. Manche Künstler wie Mimiks gehen mit auf Projektreisen. Der Kurzfilm «Chuva» vermittelt einen Eindruck davon, wie kreativ soziales Engagement sein kann – und dass dieser Kontakt auch Spass bereiten kann. «Wer auf Projektreisen mitgeht, soll einen Mehrwert bringen. Manche Musiker studieren mit den Kindern vor Ort beispielsweise Songs ein», erklärt Schaffner.

Ich verzichte immer häufiger auf Fleisch.
Martin Schaffner

Viva con Agua Schweiz konzentriert sich auf nachhaltige Infrastrukturprojekte in Südafrika, Nepal und Mosambik. Hier werden nicht nur Projekte durchgeführt, in Mosambik existiert inzwischen auch eine 20-köpfige Viva-con-Agua-Gruppe, die selbst an Festivals Mehrwegbecher einsammelt, um Spenden wirbt und Schulungen zum Thema Wasser und Hygiene durchführt. Für Schaffner ist es wichtig, dass der Schweizer Verein bloss Hilfe zur Selbsthilfe leistet: «Es soll nicht heissen, der Brunnen ist von Viva con Agua, sondern: ‹Viva con Agua hat geholfen, unseren Brunnen zu bauen.›» Schaffner achtet auch privat darauf, möglichst nachhaltig zu leben: «Ich verzichte immer häufiger auf Fleisch und lese beim Wandern in den Bergen auch fremden Abfall auf.»

Weil die Festivals aufgrund von Corona derzeit nicht stattfinden können, fehlt dem engagierten Lehrer aktuell der direkte Kontakt mit seinen Kolleginnen und Kollegen. Normalerweise finden allein in der Schweiz jährlich über 100 Aktionen statt. Auch die traditionellen Sponsoren-Spendenläufe, an denen oft Schulen oder Sportvereine mitmachen, fallen momentan aus. Anlässlich des Weltwassertags am 22. März führt Viva con Agua seinen Run4Water jedoch durch, wenngleich etwas modifiziert: Jede und jeder rennt für sich. Wer vom 22. bis 29. März mitlaufen möchte, registriert sich und spendet dabei einen frei gewählten Betrag für Trinkwasserprojekte an Schulen in Südafrika. Wer es bevorzugt, gemütlich vom Sofa aus einen Beitrag zu leisten, kann das natürlich jederzeit tun (Spendeninformationen siehe Webseite).

Publiziert im März 2021

Wasser

Interview: Regula Wenger
Foto: Regula Wenger, David Walter, Andrin Fretz, zVg.

Kurzprofil
Martin Schaffner
Viva con Agua Basel
basel(at)vivaconagua.ch
Viva con Agua Schweiz
www.vivaconagua.ch
Tel. 041 534 98 51

Weitere Vorbilder
Fredy Dinkel

Umweltthemen prägen seit 30 Jahren den Arbeitsalltag von Fredy Dinkel (Präsident Verwaltungsrat Carbotech AG). Statt wie früher nur Lösungen für Einzelprobleme zu finden, sollen heute ganze Systeme nachhaltig ausgerichtet werden. Das gilt auch für die öffentliche Beschaffung.

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Martin Schaffner

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